Wie Europa seinen Kaffee trinkt

Kaffeesorten

Wie Europa seinen Kaffee trinkt

Laut Statista ist Deutschland in der Rangliste des Kaffeekonsums in Europa auf Platz 8. Dabei trinken die Deutschen 1,65 Kilogramm mehr als der Durchschnitt in Europa, der bei 5 Kilogramm im Jahr liegt. Direkt vor Deutschland liegt Italien, das Land der Liebe, in dem Kaffee einen besonderen Stellenwert hat.

Die Italiener und ihr „caffè”

In Italien wird Kaffee anders konsumiert als in Deutschland. Das beginnt schon beim Namen. Was in Deutschland und vielen anderen Ländern als Espresso bezeichnet wird, nennen die Italiener caffè.

Eine weitere Besonderheit ist der Verzehr an der Theke. Kommt man nur für ein Getränk in den Laden, setzt sich der Italiener üblicherweise nicht hin. Dann trinkt er seinen caffè einfach stehend an der Theke.

Auch die Wortwahl bei einer Bestellung von Kaffeevariationen mit Milch, wie zum Beispiel Cappuccino, ist in Italien wichtig. So sollte man nicht einfach einen latte, sondern einen caffè latte bestellen. Sonst gibt es wahrscheinlich nur ein Glas Milch.

Neben den sprachlichen Besonderheiten sind die Italiener auch besonders stolz auf ihren typischen Kaffee. Neuartige Ideen aus dem amerikanischen Raum werden in Italien kaum angeboten und größtenteils negativ betrachet. Außerdem trinkt man in Italien kaum Filterkaffee. Dieser wird höchstens in Hotels für ausländische Touristen angeboten.

Der Italiener bleibt sich so seiner Kultur eher treu und verzichtet auf großen Wandel oder neumodische Ideen. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, wie den caffè shakerato, der im Sommer angeboten wird. Dabei wird Eis, Zucker und Espresso solange im Cocktail-Shaker geschüttelt, bis er schaumig ist. Trotzdem bleibt man sich in Italien den Grundprinzipien treu.

Deutsche trinken lieber Filterkaffee

In Deutschland sieht der Kaffeekonsum ganz anders aus als in Italien. Denn die Deutschen trinken am liebsten Filterkaffee. Also den Kaffee, der in Italien gar nicht angeboten wird.Das hängt auch damit zusammen, dass es der Filterkaffee eine günstige und leicht zuzubereitende Variante ist. Andere Varianten liegen in ihrer Beliebtheit weit hinter dem Filterkaffee, der zwei Drittel Marktanteil besitzt. Trotzdem macht er nur die Hälfte des Umsatzes in Deutschland aus, was auch auf den günstigen Preis hinweist.
Historisch hängt das vielleicht auch mit dem Königreich Preußen zusammen. Denn die Liebe für die exotische Kaffeebohnen war damals ein Problem für Gerste- und Malzproduzenten. Deswegen beschränkte der preußische Staat den Import von Bohnenkaffee, unter anderem mit hohen Steuern.
Der „Ersatzkaffee” aus Malz bleibt bis in die 1950er Jahre der Standard im deutschen Haushalt. Vielleicht auch einer der Gründe, warum die Kaffeebohne bis heute nicht Marktführer in Deutschland ist. Ein weiterer Grund ist auch der Kaffeefilter, der von Melitta Benz erfunden wurde.  Dadurch fand der Filterkaffee seinen Einzug in den deutschen Haushalt.

Durch kleine Cafés kommen aber auch in Deutschland die Kaffeebohne und Trends aus anderen Ländern immer mehr an.

Die größten Kaffeetrinker Europas

Am liebsten mögen die Finnen ihren Kaffee. Noch weit vor dem Land der Liebe und Deutschland liegt Finnland mit 10kg p.a. auf Platz 1 in Europa. Viele Faktoren machen diesen hohen Wert aus.
Generell sind die skandinavischen Länder auf den oberen Rängen der Statista. Trotzdem ist Finnland mit seinem Wert weit vor den anderen Ländern. Also lässt sich der erhöhte Konsum nicht nur auf die Kälte und Dunkelheit in Skandinavien schieben.
Kaffee ist in der finnischen Kultur schon seit dem 20. Jahrhundert verankert, wie viele Gemälde und Werke aus dieser Zeit demonstrieren.  Außerdem gehört die Tasse Kaffee zum finnischen Alltag. Sobald jemand zu Besuch kommt stehen Plätzchen und Kaffee sofort bereit.
Die Verankerung im Alltag zeigt sich auch durch die sogenannte „Kaffeepausi”. Diese darf jeder finnische Arbeitnehmer zweimal pro Tag in Anspruch nehmen  –  für eine ganze Viertelstunde.
Und auch Finnland setzt man ähnlich wie bei uns nicht so sehr auf Qualität, sondern greift auch oft zum Filterkaffee. Quantität geht also auch hier vor Qualität.

Kleiner Kontinent, große Unterschiede

So zeigen sich die Differenzen beim Kaffee ganz klar auf, obwohl Europa kein großer Kontinent ist. Jedes Land hat dabei seine eigenen Präferenzen und sticht damit heraus. Während man in Italien ganz klar auf die Qualität setzt, wird in Finnland einfach mehr getrunken – auch wenn es dann meistens nur Filterkaffee ist.

Auch Deutschland hat seine eigene Kaffeekultur, die sich stetig weiterentwickelt.  Vielleicht ja irgendwann sogar so weit, dass man die Qualität einer richtigen Bohne zu schätzen weiß und nicht stetig zum Filter greift.

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